Liebe Leserin, lieber Leser,

 

als ich mir für diese Ausgabe so meine Gedanken gemacht habe, war es sehr heiß und die Erde lechzte so sehr nach Wasser. „Lieber Gott, warum lässt du es denn nicht regnen?“ Mancher Schüler hat schon wieder mit Bauchweh an das neue Schuljahr gedacht. „Lieber Gott , bitte mach, dass es besser läuft!“

Ja, „lieber Gott“, wer das noch denkt, ist überzeugt oder hofft zumindest, dass Go die Menschen liebt und erwartet eigentlich auch, dass er vor Unglück und vor Leid beschützt und Euch mit Gutem bedenkt. Wenn ich allerdings die Not, die Schläge, die Katastrophen auf der Welt - gerade auch hier unter mir - sehe, dann verstehe ich auch die Zweifel von Vielen von euch an Gott und am Sinn noch zu beten.

Doch, was ist Gutes, das Gott Dir tun soll? Was ist Unglück? Was ist Glück? Der Dichter Christian Morgenstern macht es in folgender Geschichte klar:

Das einzige Pferd eines Bauern lief weg und kam nicht wieder. Die Nachbarn bedauerten ihn: „Du Armer, dein Pferd ist weg – welch ein Unglück!“ Der Bauer: „Wer weiß, ob das ein Unglück ist?“

Soldaten des Königs kamen und holten alle jungen Männer des Dorfes zum Kriegsdienst. Den Sohn des Bauern nahmen sie nicht mit, da er ein gebrochenes Bein hatte. Die Nachbarn riefen: „Was für ein Glück! Dein Sohn wurde nicht eingezogen!“

Glück? Unglück? Im Moment des Geschehens kann Dir das ganz anders vorkommen, als mit einem zeitlichen Abstand. Die schlechte Note im Zeugnis ist erstmal schlimm - aber sie mag rückblickend heilsam sein, um mehr Einsatz beim Lernen zu zeigen.

Das Ausscheiden bei der WM in Russland war für Viele schockierend, aber es wird hoffentlich die Erkenntnis bringen, dass Hochmut vor dem Fall kommt und man jetzt frei ist um neue Wege zu gehen. Ich verstehe sehr wohl, dass Menschen viele Gründe haben mit dem Schicksal zu hadern. Unfälle, Krankheiten, Gewalt.

Wieso, weshalb, warum ich? Warum tut er mir das an, wenn Gott doch ein lieber und guter Gott ist? Im Rückblick sagen manche aber auch: „Ich bin gewachsen! Ich habe nachgedacht! Ich habe meine Sachen neu geordnet! Ich nehme alles (auch das Kleine) viel intensiver wahr! Ich schätze das Leben viel mehr!

Klar, darfst Du nach Glück suchen. Schicksalsschläge, Not und Leid wünsche ich Dir nicht! Du darfst auch hoffen, dass Dir Gott alles vom Halse hält und Dir viel Gutes angedeihen lässt. Doch was ist gut für Dich?

Ich wurde nie gefragt, ob ich hier oben diesen Job machen will. Wachst ihr Menschen nicht besonders an dem, was ihr gar nicht wollt? Ihr scheint ja gerade durch die Bewältigung von Problemen und Nöten - was ihr als Unglück empfindet - zu reifen?! Was für einen Menschen tatsächlich gut ist, das kann man in der Gegenwart oft noch gar nicht erkennen. Jeden Sonntag beten Menschen hier im Gottesdienst das Vaterunser und sprechen den schweren Satz aus: „Dein Wille geschehe!“. Vertraue auch Du darauf, dass Go womöglich besser weiß als Du selbst, was gut für Dich ist!

Vielleicht fällt es Dir so leichter, auch das Schwere anzunehmen, wenn nicht so viel Energie verbraucht wird, es „wegbeten“ zu wollen, sondern wenn Du dafür um die Kraft bittest, es zu tragen und zu bewältigen - wie auch immer es schlussendlich ausgehen mag.

Sei gewiss: Es wird auch wieder regnen, guten Wein geben und irgendwann auch noch „den 5. Stern“ auf dem Trikot. Gott befohlen!

Eine schöne Rest- Sommerzeit wünscht

Dein/ Euer / Ihr

Gickel

   
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