Liebe Leserin, lieber Leser,

mit dem Grüßen und Verabschieden ist das bei Euch ja so eine Sache. Mir scheint es dort drunten immer muffeliger zu werden. Mit Stöpseln in den Ohren, „Tomaten auf den Augen“, einem scheinbaren Kloß im Hals und den Augen auf dem Display kann es mit der Aufmerksamkeit nicht mehr weit her sein. Das ist gefährlich und sehr schade! Dabei freue ich mich über jedes herzliche „Gude!“, „Hallo“ und ganz besonders dem scheinbar schnodderigen „Tschüss!“.

Ich finde, dass dieses so kurz angebunden klingende „Tschüss“ ein schöner Gruß zum Abschied ist! Warum?

Wenn man weiß woher das Tschüss kommt und was es bedeutet, dann merkt man es. Jetzt prahle ich mal mit meinem Wissen, das mir mein „Ghostwriter“ untergejubelt hat. Also:

Ende des 17. Jahrhunderts holte der Große Kurfürst Friedrich Wilhelm die in Frankreich wegen ihres Glaubens verfolgten Hugenotten nach Brandenburg. Sie brachten mit Weißbrot und Zahnbürste, Goldschmiedekunst, Spielkarten und feiner Seife, Hutmacherei, Frühkirschen, Arti-schocken, Spargel (Dinge, die in Brandenburg vorher unbekannt waren!) auch ihre Muttersprache mit. Einwanderer, Flüchtlinge, Vertriebene bewahren oft in der Fremde die heimatliche Tradition auch durch die Pflege ihrer Sprache. Die Hugenotten redeten also Französisch. Manche Brandenburger haben wohl staunend zugehört, wenn die Flüchtlinge aus Frankreich miteinander sprachen. Am Ende des Gesprächs folgte ein Gruß. „A Dieu!“ Vielleicht hat den Deutschen jemand erklärt, dass „A Dieu!“ auf Deutsch heißt „Bei Gott“ oder (freier übersetzt) „Gott befohlen!“ Das muss ihnen sehr imponiert haben. Mit der Zeit wurde es zu einem Gruß auch unter den vielen Nicht-Hugenotten. Dann ist das passiert, was mit Sprache gerne geschieht. Sie verändert sich und schleift sich ab. Das „A Dieu“ klang in den Ohren der Einheimischen wie – „Adjöh“, „Adschöh“, „Adschüs“ … „Tschüss!“

So ist Euer „Tschüss!“ im Grunde genommen ein ganz „frommer“ Gruß: „Gott befohlen!“, „Gott sei mit dir!“ Was jetzt? Sollen die, die sich bewusst als Nichtchristen verstehen, ab sofort auf diesen Gruß verzichten? Nein, bitte nicht! Ganz im Gegenteil:

Seid mutig und gebraucht diesen Gruß, und bedenkt die eigentliche Herkunft. Nicht nur Christenmenschen, sondern doch alle Menschen guten Willens, wollen ihr Leben auf Frieden und Liebe bauen! Enttäuscht mich also nicht da unten! Erhofft Ihr nicht für andere Menschen, die sich verabschieden, eine „heile“ Heimkehr ohne Unfall und Gefahr? Kann nicht gegenseitiges Verstehen unter Euch Menschen das Leben beglücken und bereichern? Ist Euch noch nicht deutlich geworden, dass trotz allem Bemühen es eben nicht an der eigenen Kraft liegt, um das Miteinander gelingen zu lassen?

So, heute habe ich mal versucht, etwas anders zu „verklickern“, was Christen so meinen, wenn sie von Gott sprechen. Gott - diese besondere Kraft, die nur das Gute unter Euch will. Immer noch! Dieser Kraft will ich Sie und Euch alle befehlen. Deshalb lade ich ein, diesen schönen Gruß auch weiterhin und vor allem ganz bewusst zu benutzen: „Tschüss!“ - Gott befohlen.

Eine schöne Rest- Sommerzeit wünscht

Dein / Euer / Ihr
Gickel

 

 

 

   
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