Liebe Leserin, lieber Leser,     

wie oft habe ich Euch Menschen schon sagen hören „gelitten unter Pontius Pilatus“? Diese Worte des Glaubensbekenntnisses, die die Pfarrer bis heute ihre Konfirmationsgruppen auswendig lernen lassen. Pilatus fragt Jesus: „Bist du der König der Juden?“ Und Jesus antwortet: „Du sagst es. Ich bin geboren und in die Welt gekommen, dass ich für die Wahrheit zeuge. Jeder, der aus der Wahrheit ist, hört meine Stimme.“

Pilatus sagt das zu Jesus: „Was ist Wahrheit?“ (Johannes 18)

Hier Jesus, ein Jude in einem besetzten Land. Er hat seine ethischen Ansprüche an die Menschen. Er bezeugt die Barmherzigkeit Gottes. Er tröstet die Menschen.

 

Auf der anderen Seite, der römische Besatzer Pontius Pilatus. Er gibt die Richtlinien vor. Bei ihm als Machtpolitiker werden Ethik und Moral nicht immer genau beachtet. Jetzt redet er mit Jesus. Kann mir der gefährlich werden? Wer ist das, der mir da am Morgen vor dem Passahfest vorgeführt wird? Jesus gibt auf einer anderen Ebene zurück: „Ich zeuge für die Wahrheit!“ Gemeint ist die höhere Wahrheit Gottes. Außer Jesus zeugt niemand für diese Wahrheit. Die Menschen zeugen nur für sich selber, für die eigene Rechtfertigung, für den eigenen Vorteil oder für den eigenen Frieden, in dem sie sich eingerichtet haben. Jesus zeugt nicht für sich, sondern für die Wahrheit. „Wovon redest du?“, will Pilatus wissen. Gibt es denn noch andere Wahrheiten als die der römischen Machthaber?

Jesus spricht von der Wahrheit Gottes, von seiner Autorität und seiner Macht. Das alles soll sich im Leben der Menschen spiegeln. Aber der Mensch ist oft falsch und mangelhaft. Er nimmt den Auftrag zur Liebe nicht wirklich wahr. Er tritt die Schöpfung mit Füßen. Gerechter geht es (immer noch nicht) zu auf der Welt. Der Mensch macht weiter Streit und Krieg, schafft Not und Elend statt Frieden. Was ist Wahrheit?

Eine orientalische Redensart sagt: „Wer die Wahrheit sagt, braucht ein schnelles Pferd!“

Als Jesus damals die Wahrheit für sich einfordert, da schreien sie ihr: „Kreuzige ihn!“

Wer die Wahrheit sagt, ist (auch heute) in Gefahr. Es hat viele Zeugen der Wahrheit Gottes gegeben, die es nicht überlebt haben: Stephanus, Petrus, Johannes Hus, Hans und Sophie Scholl und ihre Mitstreiter. In der Westminster Abbey in London sind die Namen von Maximilian Kolbe und Dietrich Bonhoeffer als Zeugen der göttlichen Wahrheit in den Stein gemeißelt.

Jesus stand für die Wahrheit seines Vaters im Himmel und hat für sie gezeugt. Wie sieht das heute in eurem menschlichen Leben aus? Wie ist das in eurem Miteinander, in euren Begegnungen und hier in eurem Ort und den christlichen Gemeinden in Groß-Zimmern? Wird da von dieser Wahrheit Gottes gezeugt oder bleibt nicht oft auch die Wahrheit zwischen euch und Jesus ein genauso ungleiches „Rededuell“ wie „sellemols“ zwischen Jesus und dem römischen Statthalter Pontius Pilatus?

Jesus´ Wahrheit ist für den religiösen Menschen, der Gott mit auf dem Zettel hat, nicht aufzuteilen. Pilatus versucht dagegen die Wahrheit zu relativieren. Ja, kann es nicht auch ganz verschiedene Wahrheiten geben? Welche wäre da die rechte? Ist es seine - Petrus´- eigene Wahrheit, mit der er die Welt steuern und beherrschen muss? Oder gibt es die absolute Wahrheit, die dieser Jesus von Nazareth hervorhebt und beansprucht? Also, was ist Wahrheit? Diese Frage von Pilatus stellt ihr Menschen euch doch bis zum heutigen Tag. Ja, was ist Eure/ Deine Wahrheit? Gesellschaftliche Interessen und Wünsche, eigene Einstellungen und Ziele bestimmen oft das, was ihr Menschen dann für wahr haltet.

Meiner bescheidenen Meinung nach ist das im Kleinen wie im Großen so. Wenn ich es von hier oben richtig mitbekomme, dann gibt es viele Wahrheiten im täglichen Miteinander wie in der großen weiten Welt.

Dazu vernebelt Euch die Flut der Werbung Euren Blick und weckt Begehrlichkeiten, die unzufrieden machen. Ich sehe in viele Gesichter….

Der Anspruch von Jesus ist schon beunruhigend. Damals und bis auf den heutigen Tag. Aber lieber streiten sich die Menschen (oft auch um des „Kaisers Bart“), als sich seinem Anspruch mal zu stellen. „Wer aus der Wahrheit ist, hört meine Stimme“, sagt Jesus. Und Jesus ist auch für Dich gestorben und auferstanden! „ER ist wahrhaftig auferstanden!“ Ich freue mich über einen „Oster-Blick“ herauf zur Kirchturmspitze...

Ihr/ Dein                                            Gickel

 

 

   
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